Wo steht das Familiensofa?
Partysan Berlin Kolumne Oktober 2012
Dubrovnik, die Perle der Adria in Kroatien, ist eine wundervolle Stadt, eine der schönsten dieser Welt. Wer dort hinkommt, kann durch die Gassen spazieren, auf deren glatten Steinboden sich die Straßenbeleuchtung spiegelt.

Das tun in der Saison täglich Tausende. Sie kehren in Tavernen ein, bestellen ihr Cevapcici und bezahlen Touristen-Preise. Die jüngeren Einheimischen standen schon vor vielen Jahren vor dem Problem, einen Platz zu finden, an dem sie sich treffen konnten und wo das Gläschen Wein bezahlbar war. Sie fanden ihn. Dubrovnik liegt auf einem Felsvorsprung, umgeben von einer gewaltigen Stadtmauer. Geht man dort entlang, findet man eine kleine unscheinbare Tür. Kein Schild weist darauf hin, dass hier, auf einer Klippe, der kleine Platz ist, an dem sie sich treffen. Eine kleine Bar über dem Meer, noch tausend Mal schöner als die Bar 25. Die Touristen gehen einfach vorbei.
Berlin hat achtzig Mal mehr Einwohner. Angesichts steigender Touristenzahlen tauchen jedoch die gleichen Probleme auf. Kaum ist ein Plätzchen schön hergerichtet und zu einem Stück Heimat geworden, wird es überrollt von jenen, die freitags kommen und sonntags gehen. Kein Schild an der Tür, wie in Dubrovnik, ist auch keine Lösung. Welcher gute Club in Berlin hat schon ein Schild am Eingang? Was hat das bewirkt? Smartphones weisen jedem Interessierten den Weg zu jeder neuen Goldader des Nachtlebens, sie weisen ihn schnell und zuverlässig.
Ja, manchmal schmerzt das. Es schmerzen aber auch Ideen, an bestimmten Clubtüren nur noch Berliner einzulassen, Rollkoffer zu verbieten oder Touristenmengen zu kontingentieren. „Der internationale Feiertourismus bedrängt einen, man kommt sich hier wirklich langsam vor wie im Zoo“, sagte neulich Stoffel vom Watergate der taz. Oh ja!
Es bleibt nichts übrig, als umzuziehen. Terminlich auf die Wochentage – der Sonntag ist unser Freitag. Räumlich nach draußen. Touristen sind faul, sie haben selten Lust, sich außerhalb des S-Bahn-Rings zu bewegen. Deshalb werden unsere Plätze künftig dort entstehen, wo keine Sehenswürdigkeiten sind und statt der S7 die Tram 21 fährt. Vielleicht werden wir dabei mit unserem Bummbumm ein paar Schrebergärtner vertreiben. All das ist traurig und wird noch für heftige Diskussionen sorgen. Aber: So ist das in großen Städten, so war es schon immer und man kann der Politik nur raten, allen Versuchungen einer Freeze-Politik zu widerstehen. Wer versucht, alles einzufrieren, der tötet alles ab. Nutzen wir den Heimvorteil.
Kolumne by pozor!
