Gute GEMA, schlechte GEMA!
Kolumne Partysan Berlin Juni 2012 by pozor!
So manches aus Berlin hat in den letzten Monaten und Jahren Gelächter in der ganzen Republik ausgelöst: Das S-Bahn-Chaos, der neue Flughafen, der Unwille, die Loveparade in der Hauptstadt zu halten, Initiativen des Senats für einen DJ-Führerschein.
Jetzt sorgt eine Berliner Institution eher für Stirnrunzeln, bei manchem Clubbetreiber für Panik: Die GEMA mit Sitz in der Bayreuther Straße. Die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ wurde 1933 gegründet und scheint einen für große Organisationen typischen Lebenswandel zu führen: Erst aus gutem Grund gegründet, entwickelt sie ein Eigenleben, das am Ende keiner mehr versteht: Die GEMA lebt nur noch für sich selbst.
Keine Frage: Wer als Musikschaffender das Geld bekommen möchte, das ihm zusteht, ist auf die GEMA angewiesen. Sie kümmert sich um seine Verwertungsrechte und treibt für ihn Geld ein bei Radiosendern und Clubs, die seine Musik spielen, bei Konsumenten, Bars und Internet-Plattformen. Das könnten die Künstler selbst kaum bewältigen.
Die GEMA jedoch versucht über die Jahre, sich immer neue Kreise zu erschließen, in denen sie abkassiert und treibt die Gebühren immer weiter in die Höhe. Die Künstler wehren sich dagegen kaum, weil sie profitieren. Die Musiknutzer sind machtlos, weil die GEMA quasi ein Monopol besitzt.
Jüngster Schlag: Im April verärgerte die GEMA die Clubbetreiber mit Bescheiden über die neue Gebührenordnung, die eine Kostensteigerung von teilweise über 1000 % für das Jahr 2013 vorsahen. Sie begründet die Erhöhung mit dem vielfach an sie herangetragenen Wunsch nach einer Vereinfachung der Gebührenordnung. Gegen die Tarifreform wurde eine Online-Petition initiiert. Völlig zu Recht. Hier lässt ein Monopolist die Muskeln spielen. Die GEMA tut das so dreist und unverblümt, dass sie sich nicht wundern muss, wenn Forderungen nach freier Musik für alle immer lauter werden und Musiknutzer noch mehr in die Illegalität getrieben werden. Damit erweist sie ihren Mitgliedern, den Künstlern und Verlagen, einen Bärendienst und arbeitet an ihrem eigenen Untergang. Soll sie haben. Wenn die GEMA es nicht schafft, ihre Existenz plausibel zu machen, dann muss was anderes her.
pozor!
Hier die Online-Petition zeichnen: tinyurl.com/czkv4gl
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[...] Ausdruck einer Verschwörung ist die eigene Konstruktionssucht. Wir Menschen neigen dazu alles zu hinterfragen. Wir rekonstruieren etwas aus unserer eigenen Überlegung heraus, weil wir davon ausgehen, etwas besser zu wissen. Und das ist vielleicht auch ganz gut. Wir müssen nicht alles so hinnehmen, als sei es das normalste auf der Welt. Einen gesunden Menschenverstand und ein gewisses Grundvertrauen gegenüber seinem sozialen Umfeld ist dabei immer noch die Basis, um nicht für immer als Skeptiker mit erhobener Faust durch die Straßen zu laufen. Es gibt Dinge die muss man akzeptieren und hinnehmen. Es gibt aber auch Dinge denen man lautstark begegnen darf, wie der derzeitige Protest vieler Menschen gegen eine anstehende GEMA-Tarifreform. [...]
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