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Berlin – Tag & Nacht!

Kolumne Sept.12 by pozor


Während unsereins Tage um Tage in Clubs totschlägt und zu elektronischer Musik rumwippt, leben andere ein anderes Leben. Wir wissen ja so wenig voneinander. Neulich saß ich in Düsseldorf mit ein paar Einheimischen zusammen, die fürbass erstaunt waren, dass es Techno noch gibt. „Echt? Techno? Dat war doch vor zwanzich Jahren!“

„Ja ne, is heute, klar?“, hab' ich da zurückgebimst und wieder mal festgestellt: Wer sein Bild von der Welt aus dem Fernseher zieht, der kriegt ein ziemlich schräges Bild. Und was uns Irre anbelangt, gibt es ja nach dem Dahinscheiden der Parade nichts mehr im Fernsehen. Sven Väth müsste schon als Kannibale zugange sein oder Ricardo Villalobos als Sprengstoffgürtelträger, um mal in der Glotze zu landen. Ausnahmen alle acht Jahre in einem Dritten Programm nachts um zwei ausgenommen.

Das gleiche gilt fürs Radio. Da haben wir in Berlin ja noch Anja Schneider beim RBB, aber wir wissen ja schon, was geht. Sonstwo in der Republik gibt’s die größten Hits der 80er, 90er und das Beste von heute. Und viele denken, das sei alles.

Wahrscheinlich denken auch Millionen in Deutschland, dass junge Leute in Berlin so leben wie die Vollpfosten von „Berlin – Tag & Nacht“. Ich persönlich glaube ja: Die Berlin-Darsteller dieser Serie kommen allesamt aus Bottrop und haben bei einem Sprachlehrer Berliner Mundart gelernt. Wahrscheinlich liegt das aber daran, dass ich meine Eindrücke von Bottrop übers Fernsehen erworben habe. Vermutlich ist das alles gelogen und Bottrop ist eine intellektuelle Enklave im Ruhrgebiet.

Jedenfalls gibt es uns und es gibt uns schon lange mit allem Drumherum. Dass davon viele nichts wissen ist vielleicht gar nicht so schlecht. Hauptsache, die Berlin-Darsteller von „Berlin – Tag & Nacht“ wissen nichts von uns. Und wenn sie doch was von uns erfahren sollten, dann sollen sie sich den Dokumentarfilm „Feiern“ angucken. Wenn sie dann immer noch in unsere Clubs wollen, kommt es eben auf die Härte unserer Türsteher an. Womit endgültig geklärt wäre, dass Türsteher ein sehr, sehr wichtiger Beruf ist.

pozor!


by on September 1, 2012